Braut
stehlen
Ein
sehr bekannter, jedoch seltener praktizierter Brauch ist es, das
Gäste der Hochzeitsfeier die Braut stehlen. Hierbei wird der
Bräutigam und sein Trautzeuge während der Feier nach der
Trauung von Freunden und Bekannten abgelenkt, sodass er nicht mitbekommt,
wie andere Freunde die Braut stehlen. Die Bekannten des frisch getrauten
Ehepaares "verschleppen" die Braut in der Regel in eine
nahegelegene Kneipe. Dort wird dann richtig auf den Putz gehauen.
Der Bräutigam muss sich, sobald er bemerkt, dass seine Gattin
verschwunden ist, auf die Suche machen.
Das
ganze Lokal trinkt und der Bräutigam muss zahlen
Die
Entführer suchen sich, wie beschrieben, in der Gegend der Hochzeitsfeier
ein Lokal, in dem die ganze Truppe tüchtig trinkt. In der Regel
wird hier eine Runde Sekt nach der anderen ausgegeben. Weder die
Braut noch jemand aus der Gruppe der Entführer bezahlt jedoch
auch nur eine Runde Sekt. Das ist die Aufgabe der Bräutigams,
der, nachdem er seine Braut aufgespürt hat, die komplette Rechnung
zu zahlen hat. Mit dieser Tat kauft der Bräutigam seine Braut
frei. Er beweist damit, dass er seiner Gemahlin auch würdig
ist.
Brautstrauß
erlöst von der Zeche
Denken
die Entführer, wenn sie die Braut stehlen, nicht daran, den
Brautstrauß mitzunehmen, hat der Bräutigam eine gute Chance,
die anfallenden Kosten, die durch den Sektkonsum in der nahegelegenen
Kneipe entstehen, nicht tragen zu müssen. Wird die Braut ohne
ihren Brautstrauß entführt, so kann der Bräutigam
seine Braut auch ohne Geld, nämlich mit dem Strauß, freikaufen.
Eine
Ehre für den Bräutigam
Die
Durchführung des Brauches stellt eine Ehre für den Bräutigam
dar, da er hiermit die Liebe zu seiner Braut beweisen kann. Wenn
Bekannte die Braut stehlen, kann der Bräutigam mit viel Elan
und Engagement zeigen, wie viel ihm an seiner neuen Lebenspartnerin
liegt. Gleichzeitig erhält die Braut durch den Zeitraum, den
ihr Mann dazu braucht, sie zu finden, einen Anhaltspunkt, wie sehr
dieser sich Mühe gebeben hat. Auch die Zeit, die der Ehemann
braucht, um zu bemerken, dass seine Braut verschwunden ist, gibt
Aufschluss über seine Nähe zur Braut.
Hindernisse
für das neue Paar
Weniger
verbreitet, aber trotzdem hier und dort noch praktiziert, ist eine
längere Durchführung dieses Brauchs. Hierbei wird die Braut
nach dem Abstecher in das angesprochene Lokal noch in das Hochzeitshaus
gebracht. Wenn der Bräutigam nun hier ankommt, steht er vor
verschlossenen Türen. Der Bräutigam muss sich nun irgendwie
Zutritt zum Haus verschaffen. Dazu kann er ein Gedicht aufsagen,
oder sich von den anwesenden Gästen Hilfsmittel erkaufen. Auch
hierbei steht die Nähe zwischen Braut und Bräutigam wieder
im Mittelpunkt. Ein Vorteil ist, dass bei einem Teil dieser Zeremonie
die Gäste der Feier anwesend sein können.
Nicht
die Gäste vergessen
So
schön dieser Brauch auch sein mag, hat es durchaus seine Gründe,
warum das Braut stehlen nicht mehr so oft durchgeführt wird.
Die Braut und ihr Bräutigam sind die Hauptpersonen auf ihrer
Hochzeitsfeier und viele Gäste sehen es nicht sehr gerne, wenn
die beiden wichtigsten Personen auf einmal verschwunden sind. Oft
geht hierbei dann die Stimmung verloren. Im schlimmsten Fall kann
es sogar so weit gehen, dass ein Teil der Gäste bei der Rückkehr
des Bräutigams mit seiner freigekauften Braut schon gegangen
sind. Dies sollte man zu verhindern wissen.
Man kann entweder die Gäste informieren, dass Bekannte des frisch
getrauten Paars die Braut stehlen oder die Durchführung in einem
kleineren Rahmen halten, sodass sich die Gäste nicht alleine
gelassen fühlen.